„5 % Daily Loss Limit“ klingt eindeutig. In der Praxis rechnen Prop Firms diese Grenze aber unterschiedlich, und der Unterschied kann an einem volatilen Tag über das Konto entscheiden. Zwei Fragen klären fast alles: Wovon werden die 5 % berechnet? Und was wird gemessen, Balance oder Equity?
Balance und Equity in einem Satz
Die Balance ist dein Kontostand aus geschlossenen Trades. Die Equity ist die Balance plus der schwebende Gewinn oder Verlust deiner offenen Positionen. Hast du 100.000 $ Balance und eine offene Position mit −800 $, liegt die Equity bei 99.200 $.
Variante 1: gemessen an der Equity
Bei vielen Firmen zählt die Equity. Das heißt: Ein offener Verlust verbraucht das Tageslimit schon, bevor du den Trade schließt. Fällt die Equity unter die Tagesgrenze, ist die Regel verletzt, auch wenn sich der Trade danach erholt hätte.
Praktische Folge: Du musst nicht nur geschlossene Verluste im Blick haben, sondern auch, wie tief deine offenen Positionen im schlechtesten Fall laufen können.
Variante 2: gemessen an geschlossenen Trades
Einige Firmen zählen nur realisierte Verluste. Ein offener Verlust ist dann für das Tageslimit egal, solange du die Position nicht schließt. Das klingt großzügiger, verschiebt das Risiko aber nur. Prüf in diesem Fall, wie der Max Drawdown gemessen wird, denn er kann anders geregelt sein als das Tageslimit.
Wovon die Prozent berechnet werden
Die zweite Stellschraube ist die Bezugsgröße:
- Startgröße des Kontos: 5 % von 100.000 $ sind jeden Tag 5.000 $, egal wie das Konto steht.
- Balance zu Tagesbeginn: Hast du gestern Gewinn gemacht und startest mit 102.000 $, sind 5 % heute 5.100 $. Nach Verlusttagen wird der Betrag kleiner.
- Höherer Wert aus Balance und Equity zu Tagesbeginn: Manche Firmen nehmen den höheren der beiden Werte beim Reset. Läuft über Nacht eine Position mit offenem Gewinn, zählt dieser Gewinn zur Basis. Fällt er am nächsten Tag weg, wird das als Verlust gewertet.
Die letzte Variante überrascht viele: Ein Trade, der über Nacht im Plus war und morgens auf Einstand zurückfällt, kann einen Teil des Tageslimits verbrauchen, obwohl du am Ende nichts verloren hast.
Ein Rechenbeispiel
Konto 100.000 $, Tageslimit 5 % der Balance zu Tagesbeginn, gemessen an der Equity.
- Balance zu Tagesbeginn: 100.000 $
- Tagesgrenze: 100.000 $ − 5.000 $ = 95.000 $
- Geschlossene Trades heute: −2.000 $, Balance jetzt 98.000 $
- Offene Position: −2.400 $, Equity jetzt 95.600 $
Es bleiben nur noch 600 $ bis zur Grenze. Wer nur auf die Balance schaut, glaubt, er hätte noch 3.000 $ Luft.
Rechenbeispiel: Balance 98.000 $, Equity 95.600 $, Tagesgrenze 95.000 $. Gemessen an der Equity bleiben 600 $ statt 3.000 $
Solche Fälle kannst du im Drawdown-Rechner durchspielen: Startbalance, Bezugsgröße und aktuelle Equity eintragen, und der Rechner zeigt die Grenze für heute und den Restspielraum.
So liest du die Regel deiner Firma
Such im Regelwerk nach diesen Punkten und schreib sie dir auf:
- Wovon werden die Prozent berechnet: Startgröße, Balance oder höherer Wert aus Balance und Equity zu Tagesbeginn?
- Wird gegen Equity oder nur gegen geschlossene Trades gemessen?
- Wann ist der Reset, und in welcher Zeitzone?
- Zählen Kommissionen und Swaps mit?
Mit diesen vier Antworten kannst du deine Tagesgrenze jeden Morgen in Dollar ausrechnen. Den Zusammenhang mit dem Gesamtlimit erklärt der Artikel Daily Loss Limit und Max Drawdown.
Und in MT5?
MetaTrader 5 zeigt Balance und Equity an, warnt aber nicht an einer Tagesgrenze. Unser EA ProRisk Manager misst das Tageslimit ab der Startbalance des Tages und schließt am Limit alle Positionen. Weil Firmen teils anders rechnen, empfehlen wir, das Limit im EA etwas unter dem der Firma einzustellen.
